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Konjunktur

In der Spur
geblieben

Die deutsche Armaturenindustrie ist in den vergangenen vier stürmischen Jahren trotz heftigen Gegenwinds auf Kurs geblieben. Beim Blick zurück war die Welt im Jahr 2018 noch eine völlig andere. Seitdem hat sich viel Unerwartetes ereignet. 

Die Turbulenzen und die Volatilität am Markt haben sich im Laufe der letzten Jahre verstärkt – und sie sind gekommen, um zu bleiben. Die Hersteller von Armaturen haben dabei in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt, wie flexibel und resilient sie aufgestellt sind. Die Krise wurde in der Industrie auch als Chance begriffen und genutzt, um die anstehende Digitalisierung weiter voranzutreiben. So zeigt sich die Branche startklar für weiteres Wachstum in den kommenden Jahren – wenn man sie denn lässt.

Gebäude­armaturen
Starker Wohnungsbedarf treibt Wachstum

Die lebhafte Nachfrage am Wohnungsmarkt hat der deutschen Gebäude­armaturen­industrie in den vergangenen vier Jahren – trotz diverser Krisen – fast durchgängig ein Umsatzwachstum beschert. Dennoch ergab sich wenig Anlass zu Euphorie, da Kapazitätsengpässe am Bau bereits 2018 das Wachstum nach oben begrenzten. Während 2018 das Umsatzplus nur bei mageren 1 Prozent lag, kletterte es 2019 auf 3 Prozent. Auch im Jahr des Ausbruchs der Corona-Pandemie erreichte die Branche dank des stabilen Inlandsgeschäfts eine Umsatzsteigerung von 2 Prozent. So hatte die Industrie zwar in den Monaten April und Mai des Jahres 2020 mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen, schwenkte jedoch anschließend unmittelbar auf einen raschen Erholungskurs. In Deutschland kletterte der Umsatz um kräftige 8 Prozent, während das Auslandsgeschäft Corona-bedingt um 4 Prozent schrumpfte. 2021 hat die deutsche Gebäude­armaturen­industrie mit einem Umsatzplus von 8 Prozent deutlich Fahrt aufgenommen. In Deutschland stieg der Umsatz nach einem guten Vorjahr erneut um 6 Prozent. Im Ausland wuchsen die Umsätze um 10 Prozent. 

In den einzelnen Produktgruppen entwickelten sich die Umsätze in den Jahren 2018 bis 2021 mit unterschiedlicher Dynamik. Technische Gebäudearmaturen legten im Zeitraum 2018 bis 2021 durchgängig zu. Bei den Heizungsarmaturen, die sich mehrere Jahre bis einschließlich 2018 unterdurchschnittlich entwickelten hatten, änderte sich 2019 die Lage. Seitdem konnte der Bereich kontinuierlich wachsen. Anders ist die Situation bei Sanitärarmaturen. Hier wechselten sich Phasen leichten Wachstums mit Phasen der Stagnation ab.  

Die Produktion von Gebäudearmaturen kletterte von 4.509 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 5.133 Millionen Euro im Jahr 2021.  

Produktion
Gebäudearmaturen

(in Mio. €)

2017
4.282
2018
4.509
2019
4.530
2020
4.457
2021
5.133

Quelle: Statistisches Bundesamt,VDMA

Entwicklung der Exporte Gebäudearmaturen

(in % zum Vorjahr)

+11,7
2017
+3,6
2018
+5,5
2019
-10,3
2020
+10,8
2021

Quelle: Statistisches Bundesamt, VDMA

Marken­armaturen
Im Ausland begehrt

Markenarmaturen made in Germany sind im Ausland beliebt. Sie punkten mit ausgefallenem Design, höchster Qualität und sind auch in puncto Umweltschutz und Digitalisierung gut unterwegs. Mit Ausnahme des Coronajahres 2020 sind die Exporte daher durchaus ein Konjunkturpferd der Branche. Die Ausfuhren aus Deutschland stiegen von 3.124 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 3.392 Millionen Euro im Jahr 2021. Wichtigste Absatzmärkte sind Frankreich, China und die USA. Insgesamt spielt Europa eine wichtige Rolle für den Export. Mehr als die Hälfte der Exporte gehen in die EU. 

„Die Gebäude­armaturen­­industrie hat sich in zweieinhalb Jahren Pandemie besser geschlagen als zunächst angenommen. Vor allem in Deutsch­land lief die Bau­konjunktur weiterhin rund. Dabei ginge perspektivisch sicherlich noch mehr – ohne Material­engpässe und Fachkräfte­mangel im Handwerk.“
Rupprecht Kemper
Vorsitzender VDMA Gebäudearmaturen

Baubranche verliert an Wachstums­dynamik

Bereits 2019 war erkennbar, dass die Hochkonjunktur der deutschen Baubranche über kurz oder lang an ihre natürliche Grenze kommen würde. Kapazitätsengpässe und Fachkräftemangel machten sich schon damals bemerkbar. Trotzdem konnte die Bauwirtschaft bisher kontinuierlich auf Expansionskurs bleiben und kam auch gut durch das Krisenjahr 2020. So verfügten die Haushalte dank einer hohen Sparquote über ausreichend finanziellen Spielraum, um in neue Wohnungen oder eine Renovierung zu investieren. Im Jahr 2021 zeigte sich jedoch zunehmend, dass Kapazitätsengpässe am Bau keineswegs ein vorübergehendes Phänomen sind. 

Verhaltener Ausblick

Bereits im Herbst 2021 traten immer offener Lieferengpässe, Materialmangel und rasante Preissteigerungen für Rohstoffe zutage. Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Frühjahr des Jahres 2022 verschärfte die Situation noch zusätzlich. Infolge der harten Lockdown-Maßnahmen in China sind ebenfalls größere Auswirkungen zu erwarten. Außerdem macht sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften im Handwerk immer stärker bemerkbar. Auch wenn Immobilieninvestitionen gerade in Krisenseiten begehrt sind, droht im Zuge der hohen Inflation und der steigenden Zinsen ein Abflachen der Nachfrage in Deutschland und Europa. Die Aussichten der Gebäude­armaturen­industrie sind daher für die kommenden Jahre verhalten. 

Produktion
Industriearmaturen

(in Mio. €)

2017
3.420
2018
3.658
2019
3.622
2020
3.551
2021
3.769

Quelle: Statistisches Bundesamt, VDMA

Industrie­armaturen
Breit gefächerte Abnehmer­struktur als Vorteil

Die Hersteller von Industriearmaturen schauen auf turbulente Jahre zurück. Auch in Krisenzeiten segelte die Branche aber hart am Wind und hielt Kurs. Grundsätzlich spürt die Industrie oftmals konjunkturelle Schwankungen mit leichter Verzögerung. 

Die weltweite Konjunkturabschwächung ging 2019 auch an der Industrie­armaturen­branche nicht spurlos vorüber. So erzielten die deutschen Hersteller von Industrie­armaturen nach einem sehr erfolgreichen Vorjahr mit einem Umsatz­wachstum von 7 Prozent nur noch ein Plus von 2 Prozent. Im Coronajahr 2020 sind die deutschen Hersteller dagegen mit einem blauen Auge durch die Krise kommen. So blieb der Umsatz dank eines stabilen Inlandsgeschäfts auf Vorjahresniveau. Die breit gefächerte Abnehmerstruktur der Branche erwies sich dabei einmal mehr als Vorteil. So konnten Verluste im Öl- und Gasgeschäft durch Zugewinne in anderen Bereichen wie der Pharma- oder Nahrungs­mittel­industrie ausgeglichen werden. Im Jahr 2021 verbuchten die deutschen Hersteller von Industriearmaturen zwar wieder hohe Auftragseingänge, konnten diese aber infolge der Lieferengpässe nicht auf die Straße bringen. Das Umsatz­plus lag daher trotz kräftiger Erholung im Ausland nur bei 1 Prozent. 

In den einzelnen Produktgruppen entwickelten sich die Umsätze unterschiedlich. Der Umsatz bei Sicherheits- und Überwachungs­armaturen wuchs im Zeitraum 2018 bis 2021 kontinuierlich. Regelarmaturen konnten mit Ausnahme des Jahres 2019 ebenfalls zulegen. Bei Absperrarmaturen entwickelten sich die Jahr 2018 und 2019 gut, danach verzeichnete die Sparte 2020 und 2021 Umsatzrückgänge.   

Die Produktion von Industriearmaturen stieg von 3.658 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 3.769 Millionen Euro im Jahr 2021.

Entwicklung der Exporte
Industriearmaturen

(in % zum Vorjahr)

+9,2
2017
+6,1
2018
+6,6
2019
-9,0
2020
+9,6
2021

Quelle: Statistisches Bundesamt, VDMA

Außenhandel
Nach Coronadelle wieder im Aufwind

Traditionell ist China wichtigster Abnehmer deutscher Industriearmaturen. Die USA konnten jedoch ihren Platz als zweitwichtigstes Abnehmerland in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausbauen. Frankreich folgt auf Platz drei. Dabei sah sich das Auslandsgeschäft in den letzten Jahren einigen Schwankungen ausgesetzt. Zeitweise war es Treiber der Konjunktur, entpuppte sich allerdings im Zuge der Coronakrise als Bremsklotz. Die Exporte erholten sich danach aber dynamisch.

Insgesamt legten sie von 4.250 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 4.517 Millionen Euro im Jahr 2021 zu. 

„Erst Corona, jetzt der Ukraine-Krieg – Herausforderungen, auf die wir gerne verzichtet hätten. Für eine konjunkturelle Schwar­zmalerei gibt es gleichwohl keinen Grund. Unserer Armaturen­industrie geht es – trotz anhaltender Engpässe in den weltweiten Liefer­ketten sowie exorbitanten Preis­steigerungen bei Rohstoffen und Zukauf­produkten – nicht schlecht und wir sehen mit Blick auf die Auftrags­lage positiv in die Zukunft.“
Axel Weidner
Vorsitzender VDMA Industriearmaturen

Material­engpässe ausgebremst

Die vollen Auftragsbücher der deutschen Armaturenbranche ließen eigentlich erwarten, dass die Umsätze in den nächsten Monaten steigen werden. Doch trüben derzeit bis auf Weiteres Materialengpässe verbunden mit Kostenanstiegen bei Vorprodukten die Aussichten. Seit 2020 hat die Industrie mit Logistikschwierigkeiten zu kämpfen. Containermangel und Schiffsstaus erschweren und verteuern das Geschäft. Das Thema Einkauf hat rasant an Bedeutung gewonnen. Die Problematik der Lieferengpässe hat sich infolge des Ukraine-Kriegs und der Lockdowns in China in jüngster Zeit noch verschärft. 

Langfristig geht es aufwärts

Langfristig sind die Aussichten dennoch gut. Industriearmaturen aus Deutschland zeichnen sich traditionell durch Qualität und höchste Zuverlässigkeit aus. Diese sind gerade in Branchen, wie der Chemie- und Pharmaindustrie, im Kraftwerksbau oder beim aktuellen Wachstumsmarkt Wasserstoff Voraussetzung für langfristigen Geschäftserfolg. Im Zuge der Neustrukturierung der weltweiten Energieversorgung sind in Europa und in den USA zahlreiche Projekte geplant. Der Energiebedarf wächst weltweit und verspricht gute Lieferchancen für die deutschen Armaturenhersteller.